Warum Tanken gerade so teuer ist – und wie sich der Literpreis zusammensetzt
Diesel hat im September einen neuen Rekord erreicht. Rund 40 bis 45 Prozent des Literpreises sind Steuern – den Rest bestimmen Weltmarkt, Transport und Krisen.

Wer in diesen Wochen tankt, spürt es deutlich: Gemäss TCS kostete Diesel am 21. September im Schnitt 2.46 Franken pro Liter, Bleifrei 95 2.14 und Bleifrei 98 2.25 Franken. Diesel hatte kurz zuvor mit 2.41 Franken den bisherigen Rekord aus dem Jahr 2022 (2.40 Franken) übertroffen. Doch wohin geht eigentlich jeder Franken an der Zapfsäule?
Der grösste fixe Posten ist die Mineralölsteuer. Inklusive Mineralölsteuerzuschlag beträgt sie laut Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) 76,82 Rappen pro Liter Benzin und 79,57 Rappen pro Liter Diesel – unabhängig davon, ob der Liter 1.70 oder 2.40 Franken kostet. Der Bund nimmt damit jährlich rund 4,4 Milliarden Franken ein. Die Mineralölsteuer fliesst bei Treibstoffen zu 50 Prozent in Aufgaben für den Strassen- und Luftverkehr, zu 10 Prozent in den Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrs-Fonds (NAF) und zu 40 Prozent in die Bundeskasse; der Zuschlag geht vollständig in den NAF.
Dazu kommt die CO2-Kompensation: Importeure müssen 2026 einen Teil der CO2-Emissionen des Verkehrs kompensieren und dürfen die Kosten bis höchstens 5 Rappen pro Liter weitergeben. Eine CO2-Abgabe wie beim Heizöl gibt es auf Treibstoffen hingegen nicht. Ganz am Schluss wird die Mehrwertsteuer von 8,1 Prozent erhoben – und zwar auf den gesamten Preis, also auch auf die Mineralölsteuer.
Ein Rechenbeispiel (gerundet) für einen Liter Bleifrei 95 zu 2.14 Franken: rund 16 Rappen Mehrwertsteuer, 77 Rappen Mineralölsteuer und Zuschlag, bis zu 5 Rappen CO2-Kompensation. Bleiben etwa 1.16 Franken für Einkauf des Treibstoffs, Transport, Lagerung, Pflichtlager, Tankstelle und Marge. Beim Diesel zu 2.46 Franken sind es rund 18 Rappen Mehrwertsteuer und 80 Rappen Mineralölsteuer – der Rest von rund 1.43 Franken (vor CO2-Kompensation) hängt am Markt. Steuern machen damit derzeit rund 40 bis 45 Prozent des Literpreises aus.
Warum ist der Preis momentan so hoch? Die fixen Steuern sind gleich geblieben – gestiegen ist der variable Teil. Seit Kriegsbeginn im Iran am 28. Februar 2026 sind die Treibstoffkosten deutlich nach oben gegangen. Die internationalen Treibstoffmärkte sind angespannt, Rohöl der Sorte Brent kostete Ende September knapp 102 Dollar pro Fass. Hinzu kommen Schweizer Besonderheiten: Niedrigwasser auf dem Rhein verteuert die Einfuhr per Schiff, und Transportprobleme wirken zusätzlich. Weil Tankstellen ihre Ware vorausschauend einkaufen, kommen Preisbewegungen an den Ölmärkten erst mit Verzögerung an der Zapfsäule an – nach oben wie nach unten.
Die gute Nachricht: Die Versorgung der Schweiz ist laut Bund gesichert, die Raffinerie Cressier läuft wieder. Für Betriebe mit eigener Tankstelle lohnt es sich, Füllstand und Verbrauch genau im Blick zu behalten – etwa mit einer Fernüberwachung der Tanks. So lässt sich besser planen, wann nachgefüllt wird. Wir beraten Sie gerne.
Quellen: BAZG (Mineralölsteuer), TCS-Preisvergleich via cash.ch/AWP (21.9.2026), Blick (9.3.2026). Alle Zahlen gerundet, Stand 11. Oktober 2026.